Luxustrends Individualisierung und Nachhaltigkeit
Frankfurt, 10.6.2010Die Zeit reinen Konsumierens ist vorbei. Neuer Luxus fordert eine aufgeklärte Einstellung gegenüber Produkten und ihrem wahren Wert. Liegt der Luxus von morgen im Wahren, Schönen und Guten? Der Centurion Luxury Report Ti22 von American Express spürt Trends auf und geht Entwicklungen in diesem Bereich nach. Die zweite Newsletterausgabe beschäftigt sich mit den Luxustrends Individualisierung und Nachhaltigkeit.
„Luxus ist zu einem persönlichen Erlebnis geworden, das nicht unbedingt geteilt werden muss. Man tut sich etwas Gutes, was der Alltag nicht hergibt." Sebastien Knop, CEO Vacheron Constantin
„Mit einem neuen Alu-MacBook kann ich heute meine 'Klassenzugehörigkeit' sehr schnell klarstellen. Ich gehöre zur kreativen Klasse, der Aristokratie der Neuzeit. Luxus ist immer auch ein 'Code' für Eingeweihte, und diese Codes differenzieren sich derzeit sehr schnell." Matthias Horx, Zukunftsinstitut
Luxus und Individualisierung
Als einer der großen gesellschaftlichen Trends durchdringt die Individualisierung wesentliche Aspekte unseres Lebens: Arbeit, Freizeit, Konsum, Politik, Religion, Werte. Für den Einzelnen bedeutet Individualisierung vor allem eine enorme Vielfalt an Optionen, von Waren und Dienstleistungen bis zu sozialen Kontakten und Lebensmodellen. Je weniger unser Leben in festgelegten Bahnen und nach vorgegebenen Mustern verläuft, desto größer der Spielraum für persönliche Entscheidungen. Damit verändert sich auch die Rolle des Luxus. Lange Zeit diente Luxus vornehmlich dazu den gesellschaftlichen Status zu unterstreichen, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht zu signalisieren.
Mehr denn je steht Luxus heute für Individualität. Es genügt nicht mehr, nur Konsument zu sein, der sich für ein fertiges Produkt entscheidet, wie kostbar es auch sein mag. Man möchte schon in der Entstehungsphase auf das Produkt Einfluss nehmen, eine persönliche Beziehung zu dem Objekt herstellen. „Viele unserer Kunden reisen in unser Werk nach Crewe (England), um vor Ort mit unseren Designern und Ingenieuren einen Bentley zu spezifizieren, der ganz ihren Vorstellungen entspricht", sagt Michael Mayer, Regional Director Europe UK bei Bentley Motors. Produkte, die perfekt auf Ihren Nutzer abgestimmt sind, führen zu einer höheren Lebensqualität, glaubt Herbert Schultes, Chefdesigner bei bulthaup-Küchen: Im Industrial Design realisiere sich der Wunsch nach Individualität in Zukunft vermehrt durch intelligente, innovative Systemlösungen oder durch raffinierte Steuerungsmöglichkeiten in der Fertigung. Individualität bedeutet auch, die eigenen Bedürfnisse und Qualitätsansprüche über modische Strömungen zu setzen. Der neue Luxus ist ein „bleibender, zeitloser Luxus", sagt Sébastien Knop, CEO der Genfer Uhren-Manufaktur Vacheron Constantin.
Luxus und Nachhaltigkeit
Luxus und Ökologie klang lange Zeit wie ein Widerspruch. Am deutlichsten vielleicht in der Automobilbranche, wo man sich stets gegen ökologisches Denken verwahrte und wo der Status eines Wagens mit seinem Spritverbrauch anstieg. Umso überraschender der Slogan, mit dem sich Mercedes-Benz auf der letztjährigen Automobilmesse Auto Shanghai präsentierte: „Green Luxury" in allen Klassen. Die frohe Botschaft: Umweltfreundlichkeit ist möglich - ohne Verzicht auf Leistung, Sicherheit, Komfort und Ästhetik. Mit der Entwicklung des S 400 HYBRID brachte Mercedes-Benz die sparsamste Luxuslimousine auf den Markt. Der durchschnittliche Verbrauch liegt unter acht Litern auf 100 Kilometer. Qualität, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit werden so zu Insignien des neuen Luxus. Gerade hier haben die Entscheidungen weniger Konsumenten einen großen Einfluss auf zukünftige Entwicklungen.
Luxus und Reisen
Erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Reisen zum Massenphänomen. Davor war es den privilegierten Schichten vorbehalten und damit reinster Luxus - obgleich oft unvorstellbar beschwerlich, zumal in einer Zeit als man noch in der Pferdekutsche reiste. Mit der wachsenden Zahl von Touristen, die immer länger und weiter reisen, so scheint es, verliert nicht nur das Reisen an sich die Aura der Exklusivität, sondern auch jene langjährigen Refugien des Reichtums: die Kreuzfahrten und Südseeinseln, die Grand Hotels und Luxus-Villen. Doch nur wer Luxus mit einem Aufmarsch von Statussymbolen gleichsetzt, wird jenen Tagen nachtrauern. Auch beim Reisen folgt der Luxus neuen Maximen und Bedürfnissen. „Wohlhabende Reisende suchen nach bildenden Erfahrungen und nicht bloß nach Entspannung. Mehr denn je wollen Gäste heute aktive Teilnehmer und nicht bloß Zuschauer sein." So beschreibt Claus Sendlinger, Gründer und CEO Design Hotels AG, einen der zentralen Reisetrends. Städtische Resorts und Themenhotels haben gute Chancen im Luxusmarkt - sofern sie Authentizität garantieren und an ihrem Standort kulturell und emotional verwurzelt sind, also etwas, das es nur dort gibt.
Eine der treibenden Kräfte der Individualisierung ist die Kontrolle über das eigene Leben und die eigene Entwicklung. Da verwundert es kaum, wenn auch der Gesundheitstourismus im Luxussegment boomt: Wer Gesundheit als unverzichtbare Ressource erkennt, ist bereit entsprechend zu investieren. „Gesundheit wird zur Grundvoraussetzung der Leistungsgesellschaft und damit zum Maßstab der eigenen Identität", sagt Peter Wippermann vom Trendbüro Hamburg. „Nur wer gesund ist, kann weiter teilnehmen." Während die herkömmliche Kur vor allem Reparatur bedeutete, setzt der neue Gesundheitstourismus auf Prävention: bewusst leben und genießen.
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